Teil 1
Es ist ein faszinierendes Bild: Dichte Bündel sich verzweigender Blutgefäße durchziehen ein kreisförmiges Gebilde und verlieren sich in schier unendlichen Verästelungen. Gestochen scharf und beinahe dreidimensional zeigen sich verschiedenste Zellen im Herzen einer Maus und erlauben den Forschern einen unmittelbaren Blick auf das, was auf Zellebene bei einem Herzinfarkt passiert. Ermöglicht wird dies durch eine neue 3D-Mikroskopietechnik der Firma LaVision BioTec, mittels derer erstmalig Areale mit einem Volumen von bis zu zehn Kubikmillimetern mit zellulärer Auflösung untersucht werden können.
„Wir schlagen die Brücke von der Makro- auf die Mikro-Ebene der Laser-Scanning Mikroskopie“, sagt Volker Andresen mit einem Anklang von Stolz. Gerade haben er und seine Kollegen für ihre Entwicklung den renommierten ZIM-Innovationspreis erhalten. Andresen und Produktmanager Dr. Uwe Schröer stehen vor einem Prototypen ihres neuen Lichtblattmikroskops. Der promovierte Biologe greift zum Objektträger des Mikroskops und holt einen schwarzen, etwa Streichholzkopf großen Gegenstand hervor: Das Herz der am Herzinfarkt gestorbenen Maus. „Normalerweise sind die Proben eher weißlich transparent“, sagt er und erklärt uns, dass die Gewebeflüssigkeit gegen eine Aufklarungsflüssigkeit getauscht werden muss, bevor die Probe mit dem Lichtblattmikroskop untersucht werden kann. Doch im Vergleich zur herkömmlichen Methode, nämlich der Anfertigung einer Vielzahl feinster Schnitte, die dann einzeln mikroskopiert werden müssen, sei der Aufwand erheblich geringer. „Neben den spektakulären Bildern ist das der zweite wichtige Grund, warum wir glauben, dass sich unser Mikroskop sehr schnell durchsetzen wird“, fügt er – ganz Produktmanager – noch hinzu.
32 zum größten Teil akademisch ausgebildete Mitarbeiter forschen, entwickeln, fertigen, verkaufen und organisieren bei LaVision BioTec. Das Unternehmen hat sich im Jahr 2000 als Spin-off der Universität Bielefeld und der Firma LaVision GmbH gegründet und setzt heute jährlich knapp 6 Millionen Euro um. Es entwickelt sehr erfolgreich Laser-Scanning Mikroskope für die biomedizinische Grundlagenforschung, insbesondere in den Bereichen Immunologie, Tumor- und Hirnforschung.
„Der unmittelbare Kontakt zu den Kunden ist für uns sehr wichtig“, unterstreicht Physiker Andresen. Als technisches Unternehmen macht LaVision BioTec selbst keine Tierversuche. „Wir brauchen daher die Zusammenarbeit mit unseren Kunden und Interessenten. Es sind ihre Proben und Fragestellungen, anhand derer wir unsere Methoden und Geräte entwickeln.“ Zugleich, da sind Andresen und Schröer sich sichtbar einig, ist die unmittelbare Zusammenarbeit mit den Anwendern eine wesentliche Basis ihres Erfolges. „Wir lernen dabei sehr viel über die Bedürfnisse, Schwierigkeiten und Ziele unserer Kunden. Das gibt uns die Richtung vor und, wenn wir erfolgreich sind, natürlich auch die Befriedigung“, erläutert Schröer den Zusammenhang. Dass durch die gemeinsame Arbeit auch eine gute Kundenbeziehung und damit eine wichtige Voraussetzung für den geschäftlichen Erfolg der Firma entsteht, nehmen die beiden als Nebeneffekt gern mit.
In Deutschland erleiden jedes Jahr mehr als 200.000 Menschen einen lebensbedrohlichen Herzinfarkt. Krebs ist hierzulande immer noch die zweithäufigste Todesursache. Doch wesentliche Prozesse des Tumorwachstums und der Tumorstreuung (Metastasierung) auf Zellebene sind bis heute nicht vollständig geklärt. Ähnlich sieht das bei einigen neurologischen Befunden aus. So leben heute 730.000 Alzheimer Patienten zwischen Flensburger Förde und Zugspitze – jährlich kommen 250.000 neue Fälle hinzu. Für die Entwicklung effektiver Therapeutika gegen Herzkreislauferkrankungen, Krebs, Alzheimer, Epilepsie, rheumatische oder Autoimmunerkrankungen spielt das Wissen um die Prozesse auf Zellebene eine zentrale Rolle. Im Blickpunkt steht dabei die Forschung an Hirn-, Immun-, Herz- und Tumorzellen. Zumeist von Mäusen, da es mittlerweile Krankheitsmodellsysteme gibt, die die Erkrankungen der Menschen nahezu perfekt nachbilden. Die Bilder, die dafür gebraucht werden, liefern die Laser-Scanning Mikroskope von LaVision BioTec.
Weiter zu | Teil 2 |

















